HR für die deutsche Tochtergesellschaft: Was neben der Lohnabrechnung anfällt

VonBy Britta Schauer, AdminDockHR
Rollenverteilung in der deutschen Tochtergesellschaft: Lohnbüro, HR vor Ort und Hauptsitz

Ein internationales Unternehmen gründet seine GmbH in Deutschland. Der Steuerberater steht, die Lohnabrechnung liegt bei einem Lohnbüro oder beim Payroll-Anbieter der Gruppe. Am Monatsende stimmen die Zahlen. Und doch kommen im Hauptsitz immer wieder Fragen an: Wer schreibt den Arbeitsvertrag? Wer beantwortet das Schreiben der Krankenkasse? Wer erklärt, warum die Personalkosten in Deutschland höher ausfallen als geplant?

Die Antwort ist fast immer dieselbe: Zwischen zwei Abrechnungen liegt ein ganzer Monat Personalarbeit. Dieser Artikel zeigt, wer in einer deutschen Tochter welche Aufgabe übernimmt und wo die Schnittstellen liegen.

Wer macht was in der deutschen Tochter?

Lohnbüro und Steuerberatung rechnen ab und melden. Die HR-Arbeit sorgt dafür, dass sie dafür jeden Monat vollständige Daten haben, und kümmert sich um alles, was die Mitarbeitenden und Behörden direkt betrifft.

AufgabeLohnbüro / SteuerberatungHR vor OrtHauptsitz
Lohnabrechnung, Lohnsteueranmeldungrechnet ab, meldet ans Finanzamtliefert Stamm- und Bewegungsdaten bis zum Stichtaggibt Gehälter und Budgets frei
Meldungen zur Sozialversicherungsendet die Meldungen aus der Abrechnungssoftwarestellt rechtzeitig alle Angaben zusammenerhält den Überblick
Arbeitsverträge und Nachweiseprüft auf Wunsch die Abrechnungsrelevanzerstellt, versendet, dokumentiertgibt Konditionen frei
Personalakteerhält abrechnungsrelevante Unterlagenführt die Akte vollständig und datenschutzkonformerhält Zugriff nach Bedarf
Fragen der Mitarbeitendenbeantwortet Fragen zur Abrechnungist erste Anlaufstelle, auf Deutsch und Englischentscheidet bei Grundsatzfragen
Post von Krankenkassen und Ämternklärt abrechnungstechnische Rückfragennimmt an, beantwortet, hält Fristen nachwird informiert
Reportingliefert Abrechnungsauswertungenbereitet Kennzahlen für den Hauptsitz aufsteuert auf dieser Basis

Arbeitsrechtliche Einzelfragen bleiben bei der Rechtsberatung, steuerliche bei der Steuerberatung. HR vor Ort hält die Fäden zusammen und weiß, wen man wofür fragt. Wie wir mit Lohnbüros und Kanzleien zusammenarbeiten, zeigt unsere Seite für Empfehlungspartner.

Vor dem ersten Arbeitstag: die Grundlagen

Bei einer neu gegründeten Tochter beginnt die Personalarbeit vor der ersten Einstellung.

  1. Betriebsnummer beantragen. Die Bundesagentur für Arbeit vergibt sie. Sie ist die Grundlage für jede Meldung zur Sozialversicherung.
  2. Berufsgenossenschaft. Ein neues Unternehmen meldet sich innerhalb einer Woche nach Beginn bei der zuständigen Berufsgenossenschaft an, auch vor der ersten Einstellung.
  3. Arbeitsvertrag und Nachweis. Seit dem 1. Januar 2025 genügt für den Nachweis der Arbeitsbedingungen in vielen Fällen die Textform, also etwa eine E-Mail mit PDF. Für bestimmte Branchen sowie für Befristungen und Wettbewerbsverbote gilt weiterhin die Schriftform. Die Angaben sind gestaffelt fällig: ein Teil am ersten Arbeitstag, weitere nach sieben Tagen und nach einem Monat.
  4. Anmeldung zur Sozialversicherung. Sie erfolgt mit der ersten Lohnabrechnung, spätestens sechs Wochen nach Beschäftigungsbeginn. Damit das Lohnbüro rechtzeitig melden kann, braucht es vorher alle Angaben: Krankenkasse, Steuer-ID, Sozialversicherungsnummer, Vertragsdaten.

Ein typischer Monat zwischen zwei Abrechnungen

In einer Tochter mit 15 bis 30 Mitarbeitenden sieht ein normaler Monat oft so aus:

  • Eine neue Kollegin startet und braucht Vertrag, Nachweis, Anmeldung und eine angelegte Personalakte.
  • Ein Mitarbeiter wechselt in Teilzeit, Vertrag und Abrechnungsdaten werden angepasst.
  • Eine Elternzeit beginnt, Fristen und Bescheinigungen laufen.
  • Die Krankenkasse oder das Finanzamt schickt Post mit Frist.
  • Der Hauptsitz fragt nach Headcount, Fluktuation und Personalkosten.
  • Kurz vor dem Stichtag gehen alle Änderungen gesammelt und geprüft an das Lohnbüro.

Jede dieser Aufgaben ist überschaubar. Zusammen brauchen sie eine feste Zuständigkeit, sonst landen sie bei der Office-Managerin, beim Geschäftsführer vor Ort oder in langen Mail-Ketten mit der Zentrale.

Was der Hauptsitz erwarten kann

Gute HR-Arbeit vor Ort macht Deutschland für die Zentrale planbar. Dazu gehören ein monatliches Reporting zu Headcount, Ein- und Austritten, Abwesenheiten und Personalkosten, eine Erklärung, wenn sich Zahlen verändern, und eine Einschätzung, was neue Regeln für die Gesellschaft bedeuten.

Viele Fragen aus dem Ausland drehen sich um Unterschiede: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz, Sozialabgaben. Wer beide Seiten kennt, übersetzt fachlich und sprachlich.

Kurz gesagt

Die Qualität der Lohnabrechnung beginnt lange vor dem Abrechnungslauf. Wenn HR vor Ort die Daten sauber erfasst, arbeitet das Lohnbüro effizient, die Mitarbeitenden haben eine Ansprechperson und der Hauptsitz verlässliche Zahlen. Alle drei Seiten gewinnen.

Häufige Fragen

Übernimmt das Lohnbüro auch die Personalarbeit?

In der Regel übernimmt das Lohnbüro die Abrechnung und die daraus folgenden Meldungen. Verträge, Personalakte, Fragen der Mitarbeitenden und Post von Behörden liegen bei der Gesellschaft selbst oder bei einem HR-Dienstleister.

Wann muss ein neuer Mitarbeiter zur Sozialversicherung angemeldet werden?

In der Regel mit der ersten Lohnabrechnung, spätestens sechs Wochen nach Beschäftigungsbeginn. In einigen Branchen wie Bau, Gastronomie oder Logistik gilt wegen der Bekämpfung von Schwarzarbeit eine Sofortmeldung spätestens am ersten Arbeitstag. Die Meldung läuft meist aus der Software des Lohnbüros, das dafür vorher alle Angaben braucht.

Reicht ein Arbeitsvertrag per E-Mail?

Für den Nachweis der Arbeitsbedingungen genügt seit dem 1. Januar 2025 in vielen Fällen die Textform. Für bestimmte Branchen, Befristungen und Wettbewerbsverbote gilt weiterhin die Schriftform mit Unterschrift.

Braucht eine deutsche Tochter mit bis zu 50 Mitarbeitenden eine eigene HR-Stelle?

Mit einem externen Partner holen Sie sich eine komplette Personalabteilung ins Haus statt einer einzelnen Stelle. Sie erhalten HR in Konzernqualität: Fachleute für Personaladministration, Recruiting, Koordination der Lohnabrechnung und Reporting, dazu erprobte Prozesse und Systeme. Intern bräuchte diese Bandbreite mehrere Stellen, und das Team ist auch bei Urlaub und Krankheit für Sie da.

In welcher Sprache läuft die Zusammenarbeit mit dem Hauptsitz?

Das Reporting und die Abstimmung mit der Zentrale laufen auf Englisch, die Kommunikation mit Mitarbeitenden und Behörden auf Deutsch.

HR für Ihre deutsche Tochter

AdminDockHR übernimmt die Personalarbeit für deutsche Tochtergesellschaften internationaler Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitenden, auf Deutsch und Englisch. Die Lohnabrechnung bleibt bei Ihrem Lohnbüro oder Ihrer Steuerberatung, wir koordinieren die Zusammenarbeit. Für bestehende Gesellschaften ist der Compliance Check ein guter Einstieg: Er zeigt, wo Ihre deutsche Tochter heute steht.